Das kann sich sehen lassen
Es war nicht so wie bei Tschik Caijkovski, der als Trainer von Bayern München nach einer Auswärtsschlappe auf dem Heimflug gesagt hat: “Beste ist, Flugzeug stürzt ab.”
Eigentlich gibt es keinen Grund zu depressiven Gedanken. Natürlich war der Absturz am Mittwoch im Moses-Mabhiba-Stadion in Durban brutal. Von der Wolke der Euphorie in den Alltag – das nimmt jeden mit. Aber diese Mannschaft hat für fast vier Wochen ein ganzes Land verzaubert.
Und ganz ehrlich: Dieses Jungs sind keine schlechteren Jungs, nur weil sie an diesem Abend auf eine Mannschaft getroffen sind, die an diesem Tage noch besser war. Dieser Trainer ist kein schlechterer Trainer, nur weil Spanien (ausgerechnet) an diesem Tage sein bestes Spiel bei dieser WM machte. Xavi, Iniesta, Villa usw. – die spielen so seit drei Jahren zusammen – und wenn es dann ein bisschen eng wird, dann wechseln die Fernando Torres ein…
Fußball ist nicht Weitsprung oder Eiskunstlaufen – es gibt hier immer einen Gegner, der dich nicht zur Entfaltung kommen lassen will. Gegen England und Argentinien hatten wir unsere Stärken dort, wo diese Mannschaften ihre Schwächen hatten. Gegen Spanien trafen zwei Mannschaften aufeinander mit nahezu identischer Spielausrichtung. Da setzt sich am Ende eben der Bessere durch.
Und komme jetzt keiner, der sagt: Mit Ballack, Frings, Kuranyi oder auch Rolfes und Westermann wäre das nicht passiert. Wir hätten mit diesen Spielern einen ganz anderen Fußball gespielt. Und man darf dann nicht nur das Spiel gegen Spanien sehen, sondern auch das gegen Argentinien. Hätten wir mit den genannten gegen Argentinien auch so gespielt? Oder gegen England? Keiner kann sagen, dass der Fußball schlechter gewesen wäre oder besser. Aber er wäre anders gewesen.
Der Trainer hat sich für diese Art Fußball entschieden und immer gesagt, er möchte an der WM gemessen werden.
Noch zu uns: Wir sind um 24 Uhr in Durban losgefahren.Die Autofahrerei ist zwar echt mühsam hier – aber die Fliegerei manchesmal an solchen Tagen erfahrungsgemäß auch. Der Luftraum ist an solchen Tagen völlig überlastet. Drei Flugzeuge konnten in Durban deshalb nicht landen. Also sind wir mit unserem VW-Bus mit Fahrer Lukas (nicht Podolski) durch die Nacht getuckert. Kurz vor sieben Uhr waren wir daheim. Müde, enttäuscht, Kreuzweh vom Sitzen. Aber das Highlight unterwegs an der Autobahnraststätte hat uns Gesprächsstoff für eine halbe Stunde gegeben. Diese Menschen haben andere Sorgen, als die Deutung einer Niederlage im Fußball gegen Spanien, oder? Und: Wie weit würde man in Deutschland mit diesem Fahrzeug kommen?
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Ich bin immer wieder erfreut, solche Texte lesen zu dürfen. Danke für diesen Text, aber auch Danke für den ganzen Blog. Man war nirgendwo dichter dran an der WM und an der Nationalmannschaft.
Bitte in Zukunft weiter so
Beste Grüße nach Südafrika!